Abfindungsvergleich

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Und wenn Sie endlich einen Behandlungsfehler und dessen Ursächlichkeit für einen Schaden dargelegt oder sogar auch bewiesen haben, bietet Ihnen die Haftpflichtversicherung einen „Abfindungsvergleich“ an, also eine gütliche Einigung, bei der Sie zur Abgeltung Ihrer Forderungen zwar nicht alles, aber immerhin einen Teil erhalten. Mit wieviel Prozent Ihrer ursprünglichen Forderung Sie sich zufrieden geben wollen, um sich nicht länger mit der Sache beschäftigen zu müssen, bleibt Ihre eigene Entscheidung. Wichtig für Ihre Entscheidung ist aber zu verstehen, was ein „Vorbehaltsverzicht“ bedeutet.

Vorbehaltsverzicht

Meistens bieten Haftpflichtversicherungen den Abfindungsvergleich nur mit einem Vorbehaltsverzicht an. Das heißt, dass Sie sich nicht nur für abgefunden erklären wegen Ihrer Schmerzensgeldforderung und wegen der bereits bezifferten Vermögensschäden, sondern Sie sollen mit Ihrer Unterschrift auch auf sonstige, gegenwärtige oder künftige Ansprüche verzichten, gleich ob sie bekannt oder unbekannt, vorhersehbar oder nicht vorhersehbar sind.

Im Anspruchsschreiben oder in einer Klage macht Ihr Anwalt eben nicht nur ein Schmerzensgeld und die eingetretenen Vermögensschäden geltend, sondern fordert den Schädiger auch auf anzuerkennen, dass er für künftige Schäden haftet, also für Folgeschäden, die möglicherweise erst noch eintreten werden (siehe künftige Schäden). Stellen Sie sich vor, dass Sie nach einer fehlerhaften Hüftkopfprothesen-Implantation eine Beinverkürzung erlitten haben. Sie erhalten eine Schmerzensgeldzahlung und erklären sich für abgefunden. Nach fünf Jahren erklärt Ihnen ein Orthopäde, dass Sie durch die Beinverkürzung nicht nur einen Beckenschiefstand erlitten haben, sondern sich auch eine Fehlhaltung angewöhnt und dadurch nun einen Rückenschaden haben, unter dem Sie furchtbar leiden. Wenn Sie auf künftige Ansprüche verzichtet haben, bekommen Sie nun keinen Cent mehr.

Im Anspruchsschreiben oder einer Arzthaftungsklage behält man sich also künftige Ansprüche vor. Und diesen Vorbehalt versucht die Haftpflichtversicherung, Ihnen mit einem Vorbehaltsverzicht abzukaufen: Sie erhalten dafür eine höhere Zahlung, müssen aber unterschreiben, dass Sie nie wieder an die Versicherung bzw. die Schädiger herantreten werden.

Bei einem solchen Vorbehaltsverzicht ist größte Vorsicht geboten. Denn Sie wissen nie, was sich aus der Schädigung noch entwickeln mag. Vielleicht ist die Nachbehandlung abgeschlossen, und Ihr Nachbehandler erklärt Ihnen, dass sich die Verletzung nicht mehr verändere. Aber wissen kann er es nicht. Da Ihr Anwalt verpflichtet ist, Ihnen stets den sichersten Weg zu empfehlen, kann er Ihnen einen Abfindungsvergleich mit Vorbehaltsverzicht theoretisch nie empfehlen. Und einen Abfindungsvergleich ohne Vorbehaltsverzicht schließt die Haftpflichtversicherung meist nicht, so dass Sie vor der Wahl stehen entweder einen noch aufwändigen Rechtsstreit nur wegen der theoretischen Möglichkeit künftiger Schäden fortzuführen oder den Vorbehaltsverzicht zu „schlucken“.

Schmerzensgeld-Abfindung

Risikoabwägung

Wie ein „Stop-Schild“ im Straßenverkehr bedeutet das kein Verbot weiterzufahren. Bevor Sie aber einen Abfindungsvergleich unterschreiben, sollten Sie gedanklich anhalten und gründlich die Risiken abwägen und dann entscheiden, wo Sie weiterfahren. So werden in der Praxis häufig Abfindungsvergleiche vereinbart. Denn es mag vielleicht der sicherste Weg sein, keinen Abfindungsvergleich zu schließen, dem Lebensrisiko angemessen ist dies aber meist nicht. Denn selbst wenn Sie sich künftige Ansprüche vorbehalten, so verpflichtet sich der Schädiger nur „dem Grunde nach“ Ersatz für den Folgeschaden zu leisten, der Ihnen aus dieser Schädigung entsteht. Das bedeutet zwar, dass eine Fehlbehandlung feststeht. Wenn der Folgeschaden auftritt, müssen Sie aber immer noch beweisen, dass auch dieser – vielleicht erst nach Jahren auftretende – Folgeschaden auch ursächlich zurückzuführen ist auf jene Fehlbehandlung und nicht nur eine schicksalhafte Entwicklung.

Wie immer Sie sich entscheiden, Ihnen muss bewusst sein, dass ein Abfindungsvergleich mit Vorbehaltsverzicht immer eine Risikoentscheidung ist, und es ist Ihre Entscheidung, ob Sie dieses Risiko in Kauf nehmen wollen oder nicht.